Bargemer_Wappen

Das Tannbüel - ein Schutzgebiet nationaler Bedeutung



Direkt an der Landesgrenze auf der Gemarkung Bargen gelegen, findet sich ein botanisches Kleinod: das Tannbüel, ein 45 ha grosses Schutzgebiet, wovon 10 ha Wald und Wiese nach naturschützerischen Gesichtspunkten bewirtschaftet werden.

Geologisch liegt das Tannbüel im Tafeljura, dieser wird im Gebiet von Bargen durch Sedimente des Weissen Jura (Malm) geprägt. Beim Tannbüel kommt es teilweise zu Überdeckungen von Tertiär-Ablagerungen. Das Gebiet gehört seit dem 14. Jahrhundert der Stadt Schaffhausen, anfangs dem «Spital des heiligen Geistes», später der Bürgergemeinde Schaffhausen als Rechtsnachfolgerin.

Seit Jahrhunderten wurde das Tannbüel landwirtschaftlich genutzt und war waldfrei. Die sehr extensive Nutzung und die besonderen Standortbedingungen boten einer grossen Zahl seltener Pflanzen verschiedener Klimaphasen ideale Verhältnisse.

Von 1897 bis 1907 sind Teile der Landwirtschaftsfläche aufgeforstet worden. Die verarmten Böden liessen die Föhren und Fichten nur sehr langsam wachsen. Im lückenhaften Wald entwickelte sich eine interessante Kraut- und Strauchschicht. Der Halbtrockenrasen bietet ein ideales Umfeld für Orchideen und andere seltene Pflanzen. Das Tannbüel steht seit 1961 unter Naturschutz, seit 1979 liegt ein von der ETH Zürich erarbeitetes Schutzkonzept vor und bildet die Basis für alle Pflegemassnahmen.

Besucher erreichen das Tannbüel entweder von Bargen aus nach etwa halbstündigem Fussmarsch die alte Bargemer Steig hinauf oder dann vom Zollamt Bargen/Neuhaus aus. Da die Landesgrenze überschritten werden muss, sind die Ausweispapiere mitzunehmen.

Den Naturfreund erwartet eine pflanzliche Vielfalt, die auf schmalen, weichen Pfaden erkundet werden kann. Der eine Bereich am sanften Südhang ist frei zugänglich, der andere Teil ist eingezäunt, um dem kleinen Naturreservat den nötigen Schutz zu gewähren. Die Forstverwaltung bittet deshalb Besucher und Naturfreunde um Verständnis und Rücksichtnahme, um die einzigartigen Kostbarkeiten auch unseren Nachkommen zu erhalten.

Frauenschuh, Cypripedium calccolus

Der Frauenschuh gehört in die Familie der Orchideen. Er bevorzugt lichte Wälder mit feuchten, kalkreichen Böden und gedeiht noch bis in l 900 m Höhe. Sein Verbreitungsgebiet reicht von der Atlantikküste durch Europa und Asien bis zur pazifischen Küste. Seiner besonderen Schönheit wegen wurde er durch Pflücken und Ausgraben an vielen Orten zur seltenen Pflanze.

Der Frauenschuh ist eine so genannte Kesselfalle. Insekten dringen in den Pantoffel ein, rutschen am nach innen eingeschlagenen Rand ab und fallen in den Kessel. Wollen die Insekten wieder in die Freiheit, müssen sie sich zwischen dem stark behaarten Lippengrund und der Narbe, dann an den Pollensäcken vorbeidrücken. Dabei werden die Pollen an ihren Körpern abgesteift und angeklebt. Erst wenn sich der Vorgang an einer anderen Pflanze wiederholt, erfolgt die Bestäubung.


>> Kleine Bildergalerie Tannbüel
>> Detaillierte Informationen über das Orchideen-Schutzgebiet
>> english "Tannbuel" conservation land